Sonntag, 9. April 2017

Sonntagsbrunch mit der Autorin Silke M. Meyer


Mein Gast zum Sonntagsbrunch kommt heute aus dem schönen Harz zu uns mit einer guten Portion Liebe und Magie im Gepäck. Ich freue mich auf Silke M. Meyer, die Zeit gefunden hat, mit mir über ihre Arbeit und ihr erfolgreiches Romandebüt Lux & Umbra. Der Pfad der schwarzen Perle (Deutscher Phantastik Preis 2015 in der Kategorie „Bestes deutschsprachiges Romandebüt“) und zukünftige Projekte zu plaudern.



Liebe Silke, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:
Kaffee oder Tee? Kaffee, intravenös bitte!
Milch, Zucker, schwarz? Mit einem kleinen Schuss Milch!
Herzhaft oder süß? Beides!
Warm oder kalt? Beim Essen beides, beim Wetter lieber kalt und Schnee in Unmengen.

1. Wie eingangs erwähnt kommst du aus dem Harz, dessen Bewohner mit einem reichen Schatz an Sagen und Märchen ja eine ausgeprägte Erzähltradition haben. Inwiefern hat dich deine Umgebung geprägt beziehungsweise findet sie sich in deinen Werken wieder?

Ich wohne direkt am Waldrand. Wenn ich in meinem Arbeitszimmer mit Glasfront sitze, dann schaue ich in den beginnenden Harz. Da ich vorzugsweise abends und nachts schreibe, hängt oft der Mond noch über den Bäumen. Muss ich noch irgendwas erklären? Das Umfeld in dem ich schreibe, beeinflusst mich schon enorm. Ich könnte wohl nie in einem Café schreiben, Ideen sammeln und plotten würde gehen, aber das Schreiben selbst geht nicht, wenn ich Menschen um mich habe. Daher prägt mich die Natur um mich herum schon sehr. Bedingt durch meinen Brotjob bin ich sehr viel im Auto unterwegs und fahre durch den Oberharz. Dabei kommen mir sehr oft tolle Ideen.  Ein vermooster, hohler Baumstamm im Wald reicht aus und mein Kopfkino explodiert. Für diese Fälle habe ich ein kleines Diktiergerät im Auto, auf das ich schnell spreche, was mir durch den Kopf geistert, damit ich es nicht wieder vergesse.

2. "Bestes deutschsprachiges Romandebüt" beim Deutschen Phantastik Preis 2015. Was ging in dir vor, als du das realisiert hast?

Ich habe sehr lange gebraucht, um es zu realisieren. So richtig klar wurde es mir erst in dem Moment, in dem ich auf diese Bühne musste. Ich habe mich natürlich wahnsinnig gefreut, denn dieses Buch waren meine ersten Schreibversuche überhaupt. Ich habe in meiner Vita keinen Punkt, bei dem ich sagen kann: „Schon als Kind schrieb sie …“ Tat ich nicht und auch den Gedanken daran, wie ihn wohl viele Leser haben, hatte ich erst sehr spät. Ich war leidenschaftlicher Leser. Mein jeweils aktuelles Buch schleppte ich immer mit mir rum, um in jeder Minute, die ich Leerlauf hatte, lesen zu können. So ist das bis heute geblieben. Lux und Umbra war eine Geschichte, die in meinem Kopf schon lange existierte, allerdings nur in einzelnen Szenen, nicht als kompletter Roman.  Ohne eine Ahnung zu haben, wie man ein Buch eigentlich schreibt, wie man so einen Plot aufbaut, setzte ich mich hin und schrieb einfach drauflos. Ich hatte gar nicht die Absicht, es zu veröffentlichen, ich wollte sie nur mal aufschreiben. Aber dann lasen es Freunde und meinten, das sei gut, ich solle es doch mal probieren. Also tat ich das dann. Und dieser erste Versuch gewann dann gleich den Preis.  Damit hatte ich nicht im Ansatz gerechnet. Der Preis steht heute in meinem Buchregal, zentral in der Mitte und wird immer etwas Besonderes bleiben. Ganz egal, was da noch kommen mag.

3. Lux & Umbra. Der Pfad der schwarzen Perle ist Auftakt zu einer Trilogie. Magst du uns ein bisschen was über dein Universum erzählen und auf was dürfen sich deine Fans als nächstes freuen?

Aus der Trilogie machen wir nun erstmal eine Dilogie. Ursprünglich hatte ich zwar drei Teile angedacht, aber inzwischen auch genug dazugelernt, um zu wissen, dass es auf zwei Bücher aufgeteilt, knackiger ist und der Geschichte damit besser geht, denn nichts ist schlimmer, als ein langatmiger zweiter Teil. Alternativ könnte ich irgendwann, wenn gewünscht, ein Prequel dazu schreiben, aber das ist bisher nicht geplant.
Mein Universum in Lux und Umbra ist eine Parallelwelt, die neben unserer bekannten Welt existiert. Carly, meine Protagonistin und ihr Sohn Mathis stammen aus unserer Welt und anfangs spielt mein Roman auch nur in dieser. Aber es gibt natürlich Möglichkeiten, um in die andere Welt, die aufgeteilt ist in die fruchtbare Liwanag Gilid - die Lichtseite - und die karge Gilid Kadiliman - die Schattenseite, zu gelangen. Um Spoiler zu vermeiden, möchte ich zum ersten Teil gar nicht mehr verraten, es gibt ja ein paar Rezensionen, bei denen man gut nachlesen kann. Vielen Dank an der Stelle an jeden einzelnen Rezensenten, der sich die Mühe macht und seine Eindrücke aufschreibt.
Als nächstes freuen darf man sich erstmal auf die Neuerscheinung von Lux und Umbra Band 01 freuen. Ich weiß nicht genau, ob ich es verraten darf, aber wenn ihr versprecht, es für euch zu behalten, sage ich euch, dass Lux und Umbra beim Machandel Verlag ein liebevolles Plätzchen gefunden hat.  Band 01 ist komplett überarbeitet. An Band 02 arbeite ich noch, denn dadurch, dass ich nun die beiden letzten Bände zusammengelegt habe, ist es doch deutlich mehr Text. Aber es neigt sich dem Ende, danach steht nur noch die Überarbeitung an.
Außerdem schreibe ich an einem weiteren Projekt und plane drei weitere. Eines steckt noch in den Kinderschuhen und ist nicht spruchreif, ein weiteres ist ziemlich konkret und 1/3 bereits fertig. Das letzte und aktuellste war ein Gedankenblitz, eine einzelne Szene, die sich in rasender Geschwindigkeit zu einem kompletten Roman mit spannenden Plot entwickelte, sich ebenso schnell in ein Exposé packen ließ und mir nur noch 10 Seiten an der Leseprobe fehlen, dann wird es zu meiner Agentin gehen und ich warte mal ab, was sie sagt.
Meine Fans mussten sich die letzten Monate sehr gedulden. Es ist ruhig um mich herum geworden. Aber das hat seinen Grund. Ich lerne. Unermüdlich. Ich verbessere meine Schreibfähigkeiten und ich arbeite mit der Litmedia Agency zusammen, die viel Vertrauen in mich steckt und die ich keinesfalls enttäuschen möchte. Ich leiste jetzt die Vorarbeit, um in einen Turnus zu kommen, der dann Bücher in regelmäßigen Abständen von mir erscheinen lässt.

4. Die Konkurrenz auf dem Markt ist groß. Was macht für dich packende, originelle Fantasy aus?

Das mag jetzt komisch klingen, aber sie muss nachvollziehbar und logisch sein. Ich habe schon oft gesagt bekommen, dass ich mir das leichteste Genre ausgesucht habe, weil bei Fantasy ja alles erlaubt sei. Letztlich ist es einfach Magie. Man könnte das zwar so handhaben, aber es würde keinen Spaß machen, es zu lesen. 
Und ansonsten sind es originelle Ideen, die nicht unbedingt neu sein müssen, aber neu verpackt werden, so gut, dass es einen ganz anderen Blickwinkel eröffnet.  Meine deutschen Vorbilder sind da u.a. Kai Meyer und Kerstin Gier, im englischsprachigen Raum liebe ich Lynn Raven, J.K. Rowling, Laini Taylor und Jennifer L. Armentrout.

5. Könntest du dir vorstellen, der Fantasy untreu zu werden und dich auch in anderen Genres zu versuchen? Mit welchem Genre könntest du dir einen heißen Flirt oder Seitensprung am ehesten vorstellen?
 

Man sagt ja immer, man kann nur schreiben, was man auch liest. Ich lese Fantasy. Egal ob High- oder Urban-Fantasy, Hauptsache es ist Fantasy. Hin und wieder reiße ich als Leser aus und lese Liebesgeschichten, auch mal historische Romane. Das ist selten, aber es kommt vor. Und in der Reihenfolge schreibe ich auch. Vorzugsweise und mit Leidenschaft Fantasy. Ich liebe es, mir neue Welten zu erschaffen, mit eigenen Gesetzen, auch die Natur betreffend und Regeln. Die gehen mir, für meine Verhältnisse, zügig von der Hand. Ich kann mir vorstellen auch mal eine reine Liebesgeschichte zu schreiben, aber dazu müsste mich ein richtiger guter Plot packen und bisher mischten da immer übernatürliche Wesen mit, weshalb es dann doch wieder Fantasy wird.
Was ich nicht möchte: Historische Romane schreiben. Ich mag sie gern lesen, aber ich scheue mich vor der umfangreichen Recherche und habe großen Respekt vor jedem Autor, der historische Romane verfasst. Mir ist das einfach zu viel Arbeit.
Was ich nicht kann: Thriller, Krimi und Erotik. Diese Genres reizen mich gar nicht, weder lesend, und schon gar nicht schreibend. Vor allem würde ich für einen einzigen erotischen Roman wohl all meine Lebensjahre aufbrauchen. Ich habe Band 1 von Lux und Umbra ja nochmal überarbeitet und dabei eine erotische Szene ausgebaut, die in der Auflage zuvor nur angedeutet wurde und ich das Kapitel dann beendete. Für knappe 500 Wörter Erotik brauchte ich mehr als 4 Stunden. Und auch danach habe ich noch mehrere Male überarbeitet, bis ich zufrieden war und es nicht als pornografisch empfand. Für mich als Autorin ist das Schreiben einer erotischen Szene die größte Herausforderung.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Das ist eine sehr einfache Frage: Harry Potter! Die Bücher von J.K. Rowling beeindrucken mich immer wieder aufs Neue. Ich bin fasziniert davon, wie detailreich Frau Rowling ihre Welt ausgearbeitet hat. Ich glaube, es gibt nichts – keine Person, kein Wesen, keine Handlung und auch keinen Gegenstand – der keine eigene Geschichte hat, der oder das nicht irgendwo in der Geschichte oder im Mythos eines Landes seinen Ursprung findet und begründet wird.  Da ziehe ich meinen Hut vor und fühle mich winzig. Die Leistung, die dahintersteht, habe ich schon geschätzt, als ich es damals nur als Leser konsumierte und liebte, aber seit ich selbst schreibe, begreife ich erst das Rechercheausmaß, das dahintersteckt. Wahnsinn.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?
 

Dass ich mir meine eigenen Welten erschaffen kann und der realen Welt für viele Stunden entfliehen kann. Dass ich all die Träumereien nun festhalte und dass es Menschen gibt, die das gern mögen. Vielleicht ist es bedingt dadurch, dass ich Fantasy schreibe, aber es bewahrt das Kind in mir.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?
 

Die mangelnde Zeit.  Ich habe einen Vollzeitjob, den ich auch sehr gern mag und den ich nie ganz aufgeben würde. Aber ich kann mir gut vorstellen, eines Tages fast nur noch zu schreiben und eher auf ehrenamtlicher Basis oder als Minijob meinem Beruf nachzugehen. Da ich nie ganz Feierabend habe, mein Diensthandy 24/7 (mit Ausnahme des Urlaubs und Krankenscheins) an ist und ich quasi in Dauerbereitschaft bin, gibt es Zeiten, da fordert mich mein Hauptberuf so sehr, dass ich schwer in meine Geschichten hineinfinde. Ich habe dann keine Zeit, um runterzufahren, um in andere Welten zu wechseln. Oder mir bleibt nur eine Stunde am Abend zum Schreiben und das reicht mir selten.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Nicht mehr. Als ich Band 01 von Lux und Umbra schrieb, passierte mir das dauernd. Da wurde aus meinem Bösewicht einfach so mein Love Interest. Hilfe, ich brauchte einen neuen Bösewicht, einen neuen Antagonisten. Das warf meinen ohnehin nicht besonders detaillierten Plot um.
Inzwischen habe ich meine Charaktere ganz gut im Griff, was an der besseren Planung liegt.  Jeder Charakter bekommt einen Lebenslauf verpasst, ich habe einen gut ausgearbeiteten Plot, bedenke alle Wendungen usw. Meine Charaktere haben gelernt, dass ich der Chef bin und sie sich an meine Regeln halten müssen. In kleinen Nebensächlichkeiten bin ich großzügig, da dürfen sie sich frei bewegen, aber ansonsten haben sie zu fragen.

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Jein. Es kommt ganz darauf an. Es gibt Kritik und es gibt Kritik. Ich mag die, die konstruktiv ist, die mich auf Dinge hinweist, die ich einfach nicht gesehen habe, aus der ich lernen kann. Und solange sie höflich formuliert ist. Mit einer Ausnahme: Meine „Korinthenkackerfreundin“, die meine Texte testliest und wirklich jede noch so kleine Lücke findet, Logikfehler aufdeckt oder verschollene Hunde einfordert. 😉 Man könnte auch sagen, meine Freundin Janine, die ungeachtet unserer Freundschaft, klare Worte findet und mich auch schon mit der Frage: „Was hast du denn da für ´nen Scheiß zusammengeschrieben?“ begrüßt hat. Sie darf die Höflichkeit auch gern mal außer Acht lassen, denn im Anschluss kommt eine lange Liste mit den Dingen, die ihrer Meinung nach so nicht gehen.
Bei Rezensionen lese ich auch sehr offen die Mängel, die den Leser störten, um es beim nächsten Mal besser machen zu können.
Und dann gibt es noch die unsachlichen Kritiken, die in erster Linie beleidigen sollen, die nicht fundiert sind, keine Begründungen enthalten. Die ignoriere ich einfach. Das gelingt mir auch ganz gut.
Zu guter Letzt halte ich auch noch Ablehnungen von Verlagen für unausgesprochene Kritik. Es heißt zwar immer: Manchmal passt man einfach nicht ins Programm, aber ich knabbere da doch jedes Mal dran. Das ist halt neu für mich und ich gewöhne mich noch an den Markt, der gar nicht so romantisch ist, wie ich ihn mir immer vorgestellt hatte.

Liebe Silke, ich danke dir herzlich, dass du dir die Zeit genommen hast, mich zum Brunch zu besuchen und dich löchern zu lassen und wünsche dir, deiner Trilogie und deinen weiteren Projekten weiterhin viel Erfolg.

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