Sonntag, 23. April 2017

Sonntagsbrunch mit der Autorin Barbara Rose


Mein heutiger Gast schreibt erfolgreich seit mittlerweile über zehn Jahren für Kinder und Jugendliche unter anderem bei Ueberreuter, Thienemann, Oetinger, Esslinger, Coppenrath, Carlsen, arsEdition und Herder und kann mit zahlreichen Auszeichnungen aufwarten. Die Autorin Barbara Rose gibt außerdem Kurse und organisiert kreative Literaturkurse und Erzählwerkstätten für Kinder, ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller und - so ganz nebenbei noch - Mutter von vier Kindern. 


Liebe Barbara, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?
Milch, Zucker, schwarz?
Herzhaft oder süß?
Warm oder kalt? 

 
Sehr gern Kaffee mit heißer (!) Milch und Zucker (puh schon wieder so eine mit Sonderwünschen ). Über herzhaft oder süß, warm oder kalt können wir dann diskutieren, da schließe ich mich auch einfach an.

1. Du bist auch so eine von denen, die vermutlich so einen Zeitumkehrer zuhause hat, wie Hermine bei Harry Potter. Schreiben, Kurse planen und geben und vier Kinder - wie schaffst du das? Hast du ein Geheimnis für gutes Zeitmanagement?

Es gibt kein Geheimnis, eigentlich nur drei Punkte: 1. Der wichtigste: Ich habe unglaublich viel Spaß an meiner Arbeit, 2. Ich bin ziemlich streng mit mir, 3. Ich arbeite sehr konzentriert.
Da mein Büro im Haus ist, sind die Schreibzeiten genau geplant und möglichst dann, wenn alle Familienmitglieder unterwegs oder im Bett sind. Ansonsten wissen die Kinder, dass sie klopfen müssen, wenn die Bürotür zu ist. Sie wissen aber auch, dass sie jederzeit stören dürfen, wenn es wirklich wichtig ist.
Auch ich beneide Hermine um ihren Zeitumkehrer, das wäre natürlich eine ideale Lösung. Noch dazu mit ministerieller Sondergenehmigung! Ach, was könnte ich da noch so alles anstellen …

2. Du hast Journalismus studiert, warst zunächst als Werbetexterin tätig, hast als Redakteurin fürs Fernsehen gearbeitet und Radiosendungen für Kinder- und Jugendliche moderiert. Hilft dir deine journalistische Erfahrung bei dem, was du heute tust?

(Wow! Du hast dich aber gut vorbereitet!!)
Das hilft natürlich sehr! Jedes Berufsfeld war ein kleiner Baustein auf dem Weg zur Buchautorin. Als Werbetexterin musste ich in Schlagzeilen und Gefühlen denken. Als Journalistin habe ich das Recherchieren und Schreiben unter Zeitdruck gelernt. Beim Radio musste ich viel sprechen, Leute interviewen, spontan auf Situationen reagieren. Dialoge spielen in diesem Medium eine große Rolle. Außerdem sind hier, beim Kinderradio, meine ersten Geschichten entstanden. Beim Fernsehen habe ich angefangen, in Bildern und Filmszenen zu denken. Das ist eine wunderbare Hilfe, wenn man Bücher schreibt! Ich werde oft gefragt, wie ich meine Geschichten schreibe. Ich kann nur sagen – ich sehe sie vor mir! Ich bin dabei, wie Rosalie aus der Feenschule auf ihrem Flugling über die Kicherblumenwiese fliegt, wie Johnny Cowboy mit dem Lasso die Brotdiebe in der Schule einfängt oder wie die Frechen Krabben und die Affenbande auf Gespensterjagd gehen.
Kino im Kopf!

3. In deinen Kursen und Workshops triffst du unmittelbar auf deine jungen Leser. Das stelle ich mir spannend vor. Was war das Schönste, Verblüffendste oder Verrückteste, das du in deiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bisher erlebt hast?

Die Kreativität und Offenheit der Kinder. Besonders schön sind die Kurse, die ich mit Kollegen aus anderen Genres gebe: einer Bildhauerin und Malerin, einer Tanz- und Theaterpädagogin. Dabei schreiben wir mit den Kindern kleine Geschichten oder Theaterstücke, für die wir auch das Bühnenbild, Kostüme oder auch Stabpuppen basteln. Hier habe ich gelernt: Jedes, wirklich jedes Kind ist kreativ, wenn man seine besonderen Fähigkeiten herauskitzelt.

4. Im Februar dieses Jahres erschien der dritte Band deiner "Feenschule", wieder mit ganz wunderhübschen Illustrationen von Naeko Ishida. Wie entstand die Idee zu der Reihe?

Rosalie, die Hauptperson in der Feenschule ist seit langer Zeit in meinem Kopf herumgewirbelt. Ich wollte schon immer eine Feengeschichte schreiben, bei der die Fee nicht einfach nur niedlich und rosa und glitzernd ist, sondern auch schlau, eigensinnig, ein bisschen vorlaut, frech und manchmal auch unsicher. Ich bin immer noch begeistert, dass gerade der Oetinger Verlag genau diese Fee gesucht hat. Ich freue mich sehr, dass Rosalie dort ein Zuhause gefunden hat.

5. Auf welches deiner Bücher bist du ganz besonders stolz und warum?

Es gibt kein Buch, auf das ich ganz besonders stolz bin. Ich mag sie alle. Das wäre genau so, wie wenn du mich fragst, welches meiner vier Kinder ich am liebsten mag. Ich liebe sie alle gleich!

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

„Urmel aus dem Eis“ von Max Kruse! Dieses Buch liebe ich schon seit meiner Kindheit. Ich könnte mich jedes Mal wieder über die unterschiedlichen und wunderbaren Charaktere und die Sprachfehler der Tiere kaputt lachen. Max Kruse erzählt hier nicht nur eine tolle Geschichte. Er hat es außerdem geschafft, dass man nicht über die Tiere und ihre schrulligen Besonderheiten lacht, sondern sich mit ihnen amüsiert.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Schreiben ist für mich wie Baden oder Tauchen. Ich hüpfe in mein Schreibmeer und vergesse sofort alles um mich herum. Eine totale Wohligkeit. Herrlich!

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Ich habe viel zu wenig Zeit für all die Ideen, die ich habe.
Hermine, hilf mir!

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

 
Öh … hüstel. Klingt gut, ich weiß. Ich weiß auch, dass viele Autoren das so berichten. Bei mir ist es nicht so. Ich weiß schon vorher, was ich schreiben will und lege die Figuren möglichst genau fest. Natürlich merke ich beim Schreiben, dass diese oder jene Wendung doch besser wäre, diese oder jene Eigenschaft noch gut passen würde. Vielleicht schmeiße ich auch mal eine Figur raus oder schreibe eine neue hinzu. Aber mehr nicht. Sagen wir mal so: ich lasse die Figuren an der langen Leine, aber die Zügel und den Zauberstab behalte ICH in der Hand.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Konstruktive Kritik kann ich gut ab, damit muss und sollte sich jeder Schriftsteller auseinandersetzen. Das kenne ich auch schon lange aus meiner Zeit als Redakteurin bei der Zeitung. Da muss man ganz schön einstecken können! Ich lese aber längst nicht mehr alles, was über meine Bücher geschrieben wird. Nicht aus Hochmut, sondern weil mir einfach die Zeit fehlt. An manchen Tagen, das gebe ich aber ehrlich zu, würde ich schlechte Kritik auch gar nicht vertragen. Dann könnte ich nicht mehr richtig abtauchen, sondern würde stattdessen wahrscheinlich dem Kaufrausch verfallen und die 64. Blumenvase, den 57. Kissenbezug, das 2865. Buch (oder so ähnlich) oder einfach 43 kg Gummibärchen kaufen. Das wäre nicht gut. Weder für das Budget noch für die Figur!

Liebe Barbara, ich danke dir für deinen Besuch beim Sonntagsbrunch und wünsche dir für deine Bücher und deine zahlreichen Projekte weiterhin viel Erfolg und tolle Begegnungen.

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