Sonntag, 13. November 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin Rike Stienen


Es gibt auch heute wieder Brunch mit einer Kollegin der schreibenden Zunft. Dieses Mal freue ich mich, jemanden beim Brunch begrüßen zu dürfen, der nicht nur Romane, sondern auch Drehbücher schreibt. Seid ihr nicht auch gespannt, mehr darüber zu hören? Dann setzt euch zu uns und plaudert mit, die Autorin Rike Stienen stellt sich heute unseren Brunch-Fragen.

Liebe Rike, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:
Kaffee oder Tee?
Milch, Zucker, schwarz?
Herzhaft oder süß?
Warm oder kalt?

Sehr gerne heißen Kaffee mit Milch

1. Ich habe es ja bereits erwähnt. Du hast eine Ausbildung zur Drehbuchautorin gemacht. Wie muss ich mir das vorstellen und was lernt man da so?

Die Ausbildung beinhaltet mehrere Stufen. Zunächste benötige ich eine Geschichte mit entsprechendem Spannungsbogen, die ich genau wie beim Roman erst einmal als Exposé aufschreibe. Dazu benenne ich alle wichtigen Figuren und Handlungsorte. Daraus entwickelt sich dann das sogenannte Treatment. Es enthält alle Szenen des Filmes, jedoch ohne Dialoge. Die dritte Phase ist das Drehbuch, das dann die Dialoge enthält. Das ist der grobe Ausbildungsaufbau. Ein Drehbuch hat ein konkretes Format, das es einzuhalten gilt. Ein wichtiger Schwerpunkt der Ausbildung ist die Dramaturgie.

2. Dein erster Roman "Liebe auf Bestellung" entstand aus einem deiner Filmstoffe. Wie viel muss man umarbeiten, um aus einem Drehbuch einen Roman zu machen und wie unterscheidet sich die Herangehensweise?

Da ich bereits ein ausführliches Treatment besaß, war es kein großes Problem, den Stoff als Roman umzuschreiben.

Im Drehbuch transportiere ich die Gedanken der Figuren allein durch Bilder und Dialoge, während ich diese im Roman einfach benennen kann. Auch wird im Drehbuch bei jeder Szene zusätzlich zu den Figuren nur der Ort (innen oder außen) und die Zeit (hell oder dunkel)angegeben und ganz kurz, was die Figuren gerade tun. Im Roman füge ich detaillierte Beschreibungen des Ortes und der Handlung hinzu.

3. Du hast auch zwei Kurzgeschichten-Sammlungen veröffentlicht, die Krimis mit Kulinarischem verbinden („Fränkische Schauerbraten“, „Mallorca mörderisch genießen“. Die Kombi Genuss und Mord scheint gut zu gehen, auch wenn man an Krimi-Dinners denkt. Wie erklärst du dir das?

Essen und Trinken sind Grundbedürfnisse des Menschen und haben in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Dass die Nahrung über Leben und Tod entscheiden kann, macht die Kombination aus Genuss und Mord so spannend. Früher gab es bei Hofe die Vorkoster, um zu sehen, ob das Essen vergiftet war oder nicht. Die heimtückischten Morde passieren tatsächlich durch vergiftetes Essen (meistens sind dabei Frauen die Täterinnen), denn das ist nach kurzer Zeit im Körper nicht mehr nachweisbar. 

4. Du warst als Rechtsanwältin tätig, bevor du dich dem Schreiben zugewandt hast. Welche Fachrichtung ist deine Spezialität und – hilft dir das bei deinen Büchern?

Bei meinen Büchern helfen mir die menschlichen Abgründe, in die ich bei meiner Anwaltstätigkeit zum Teil blicken musste. Deshalb gibt es in meinen Romanen immer ein Happy-End, und ich versuche, Konflikte mit einer Prise Humor zu lösen. Außerdem dienen mir eigene Fälle als Vorlage, wie zum Beispiel bei „Liebe ist kriminell“.

5. Einige deiner Romane hast du im Self-Publishing herausgebracht, „Verschollen im Land der Lotusblüten“ ist bei bookshouse erschienen. Welche Vor- bzw. Nachteile hat für dich das Selfpublishing im Vergleich mit einer Verlagsveröffentlichung?

Für mich persönlich hat das Selfpublishing (SP) fast nur Vorteile. Ich bin zufällig dazu gekommen, als ich die Rechte von drei Romanen von einem Verlag zurückerhielt. Da der Autor heutzutage meist sowieso mit dem Marketing allein gelassen wird, brauche ich keinen Verlag. Bei SP habe ich alles unter Kontrolle und verdiene wesentlich mehr. Außerdem habe ich keine langen Wartezeiten bis zur Veröffentlichung. Ist ein Manuskript fertig, geht es zu einer meiner Lektorinnen (wer gerade Zeit hat), und wenig später kann ich eBook und Taschenbuch veröffentlichen. So habe ich in diesem Jahr vier Bücher herausgebracht, was bei einem Verlag niemals möglich wäre. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Taschenbücher bisher von keiner Buchhandlung verkauft werden, aber damit kann ich leben. Das wird sich vielleicht auch noch zum Positiven entwickeln.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Vom Winde verweht

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Meine Fantasie, gemischt mit Erlebtem, zu Papier zu bringen und meinen LeserInnen einige unbeschwerte, heitere Stunden mit meinen Büchern zu bescheren.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Stets den Spannungsbogen zu halten und auf keiner Seite langweilig zu werden 

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest? 

Ja, genau das ist mir in meinem neusten Werk passiert. Da ist die Handlung plötzlich komplett abgebogen, und ich konnte nur noch hinterherlaufen. Erst auf den letzten Seiten habe ich meine Figuren wieder eingefangen.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um? 

Natürlich trifft mich Kritik. Mir ist jedoch klar, dass ich nicht die Erwartungen aller LeserInnen erfüllen kann. Dafür sind die Geschmäcker nun mal zu verschieden. 

Liebe Rike, vielen Dank, dass du die Zeit gefunden hast, mit uns zu plaudern. Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Freude am Schreiben, jede Menge Inspiration und Erfolg.

Ganz lieben Dank für die interessanten Fragen, die ich gerne beantwortet habe und natürlich den leckeren Brunch.

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