Sonntag, 28. August 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin Susanne Oswald


Meinen heutigen Gast beim Brunch kenne ich aus Jutta Wilkes Forum für Kinder- und JugendbuchautorInnen. Seit kurzer Zeit bin ich nun Mitglied bei DELIA, der Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren und –autorinnen und habe mit Freude festgestellt, dass auch Susanne Oswald dort aktiv ist. Ich habe Susanne als echten Tausendsassa kennengelernt, die ihr Talent gern großzügig und freimütig über unterschiedlichste Bereiche und Aktivitäten verteilt. So schreibt sie Krimis, Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher und Geschenkbücher und wenn sie gerade nicht schreibt, gibt sie auch noch im wahrsten Sinne des Wortes ihren „Senf dazu“, denn sie führt gemeinsam mit ihrem Mann eine Senfmanufaktur.

(c) Michael Beiser: Susanne und Töps


Liebe Susanne, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?
Milch, Zucker, schwarz?
Herzhaft oder süß?
Warm oder kalt?

Kaffee mit Milch, bitte. Ansonsten: Wieso oder? Von allem etwas, bitte ☺

1. Ina Janke, Sanne Aswald, Sanne Boll … hinter diesen Pseudonymen steckst immer du. Was hat dich bewogen, unterschiedliche Namen zu führen und – kommt man da nicht durcheinander?

Ich wollte den Lesern und Buchhändlern den Umgang mit mir und meinen Büchern erleichtern. Die Namen bringen Ordnung. Jedes Pseudonym steht für ein anderes Genre, das macht es einfacher. Vorher mussten Buchhändler und Leser bei jeder Neuerscheinung erst nachlesen, um was für ein Genre es sich handelt, jetzt wissen sie: Wo Sanne Aswald draufsteht, steckt Krimi drin. Bei Sanne Boll gibt es Unterhaltung für Kinder und Ina Janke steht für Frauenromane. Susanne Oswald schreibt weiterhin Sachbücher – wobei auch das immer noch sehr breit gefächert ist. Hauptsächlich schreibe ich zu Natur-, Gesundheits- und Genussthemen.

Durcheinander komme ich lediglich manchmal beim Signieren oder auf der Buchmesse, wenn ich mit unterschiedlichen Namen angesprochen werde. Da schau ich auch mal kurz über die Schulter, ob hinter mir jemand steht, der gemeint sein könnte.

2. Mit „Wo das Glück wächst“ erscheint im September 2016 dein zweites Gartenbuch. Darf ich dem entnehmen, dass du einen grünen Daumen hast und du auch zuhause viel und gerne gärtnerst?

Ich liebe die Natur und hatte selbst viele Jahre einen Garten (und werde hoffentlich bald wieder einen haben!). Ich finde es wunderbar, fremde Gärten entdecken zu dürfen, mein Wissen stetig zu erweitern. Jeder Garten hat eine ganz eigene sehr persönliche Ausstrahlung. Die unterschiedlichen Gestaltungen und Herangehensweisen finde ich extrem spannend.

Mein Steckenpferd sind Kräuter und besondere Gemüsesorten – ich liebe es zu ernten und ich koche sehr gern, deshalb habe ich auch gerade ein Kochbuch geschrieben, das ebenfalls diesen Herbst erscheint: „Tomatenpesto und Ingwersenf“, Thorbecke Verlag.

Ich träume davon, in meinem künftigen Garten viele unterschiedliche Tomatensorten anzubauen, und eine breite Chili-Auswahl – die beste Gärtnerei, um die Chilis zu kaufen, habe ich bei meiner Buchrecherche gefunden. Natürlich mag ich auch Blumen, bislang musste es aber keine spezielle Staude sein, keine mir namentlich vorgestellte Rose. Ich habe nach Duft und Aussehen ausgewählt, ohne wirklich die Sorten zu vergleichen oder mich intensiv damit zu beschäftigen. Ich schätze aber, dass sich das im neuen Garten ändert. Einmal weil in der Ortenau ein ideales Gartenklima herrscht, aber auch, weil ich durch meine Arbeit an den Gartenbüchern so viel Inspiration bekommen habe, dass ich schier überlaufe vor Gartenlust und Gartensehnsucht!

Doch der Weg zu meinem Gartenglück war/ist dornig. Geplant war der Umzug vom Schwarzwald in die Ortenau mit kurzem Zwischenstopp in unserer jetzigen Wohnung, um von dort aus nach dem für uns perfekten Haus mit Garten zu suchen. Es ist nicht einfach, weil wir ja immer auch einen Platz für die Senferia brauchen – deshalb der Zwischenstopp.

Und dann kam das Leben dazwischen. Ich musste erstmal auf mein persönliches Gartenglück verzichten. Unsere Pläne wurden vom Schicksal heftig ausgebremst, mein Mann wurde lebensbedrohlich krank, es war über Monate sehr kritisch. Ich musste die Senferia übernehmen – zusätzlich zu meiner Arbeit als Schriftstellerin. In den letzten drei Jahren haben wir gekämpft. Inzwischen ist das Wunder wahr geworden. Mein Mann ist zwar noch krank, doch es geht ihm langsam besser und wir suchen nun tatsächlich unser Haus mit Garten. Ich bin sicher, es ist nur noch eine Frage der Zeit, dann kann ich wieder in der Erde wühlen und mich über meine eigenen Kräuter freuen.

Mit den Gartenbüchern habe ich mir ein wenig Gartenglück in diese schwierige Zeit geschrieben. Sie waren meine Glücksquelle, eine grüne Insel aus Buchstaben, wo ich auftanken konnte und die Sorgen loslassen, während drum herum die Wellen hochschlugen. Meine Arbeit ist ein echtes Geschenk für mich. Ich schreibe keine reinen Gartenratgeber, sondern Inspirationsbücher, Bücher zum Träumen; stelle Gärten vor und die Gärtner. Natürlich sind immer auch Gartentipps mit drin, aber auch Kochrezepte, Glücksrezepte, Heilrezepte und vieles mehr. Ich gehe das Thema Garten auf vielen Ebenen an und finde es enorm wichtig, was für eine Energie ein Garten hat, wie er auf Menschen wirkt, was er mit ihnen macht. Mich interessieren Gartengeschichten, berührende Begebenheiten, Schicksale von Menschen und Pflanzen.

Mit „Wo das Glück wächst“ geht für mich ein Traum in Erfüllung, denn ich habe das unglaubliche Glück, dass zur Buchentstehung ein gleichnamiger Film gedreht wird. Der SWR hat mich bei einigen der Gartenbesuche begleitet, ein paar Drehtage – unter anderem bei mir am Schreibtisch – stehen noch aus. Die Sendung läuft am 11.11.2016 um 21 Uhr im SWR. 45 Minuten besondere Gartengeschichten rund um meine Suche nach dem Gartenglück.

Auch ein absolutes Glück für mich: Ich konnte Johann Lafer, Martina & Moritz und Harald Glööckler für mein Buch gewinnen. Die Besuche in den Gärten waren sehr berührend, die Gespräche intensiv.

3. Du bist in Freiburg geboren und lebst heute auch in der Gegend. Würdest du sagen, dass dich die Region geprägt hat?

Ja, ich glaube schon. Baden ist berühmt für das wunderbare Klima, für Lebensfreude, Genuss und freundliche Menschen. Ich liebe die Region, ich streife gern durch die Natur, ich finde es toll, Menschen mit einem Lächeln zu begegnen und das Klima ist perfekt für mich. Vielleicht schaffe ich es ja, der Region etwas zurück zu geben, sie durch meine Arbeit auch ein bisschen zu prägen. Das ist ein schöner Gedanke, das würde mich freuen.

4. Ins Krimifach bist du erst 2014 eingestiegen. Im August erscheint dein dritter Krimi „Tod in der Ortenau“ bei Emons. Hast du Blut geleckt?

Auf jeden Fall! Wobei ich keine heftigen Krimis schreibe, sondern eher Krimikomödien. Das Lachen gehört für mich ebenso dazu, wie die Liebe. „Tod in der Ortenau“ ist der zweite Fall für Clarissa und Ellen und die Figuren sind mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich wohl wieder für sie morden muss, damit sie weiter ermitteln können. Aber ich habe auch noch andere Krimi-Ideen – eine liegt gerade beim Verlag.

5. Wer sind deiner Erfahrung nach die anspruchsvolleren Leser: Kinder und Jugendliche oder Erwachsene?

Die Art der Beurteilung ist vielleicht etwas unterschiedlich. Ein Kind sagt super oder blöd und damit ist gut. Ein Erwachsener beleuchtet unter Umständen mehr, interpretiert und hinterfragt. Aber letztlich ist das Alter völlig egal – das Buch muss den Leser erreichen, dann ist gut.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Bei keinem. Ich finde viele Geschichten zum Niederknien wunderbar, aber ich habe keinen Grund zu denken: Das hätte ich gern geschrieben.

Dazu habe ich zu viele eigene Geschichten und Projekte im Kopf.

Einzig im Bezug auf den Erfolg würde ich natürlich sehr gerne in die Fußstapfen einer Joanne K. Rowling, Cornelia Funke oder Kerstin Gier treten – das ist aber eine andere Geschichte.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Alles. Also fast alles.

Ich liebe die Stunden am Schreibtisch, nur die Tastatur und ich. Begleitet vom sanften Schnarchen von Töps. Wenn ich in die Arbeit eintauchen kann und die Zeit vergesse. Ich liebe es, mir neue Projekte auszudenken. Lesungen! Der Moment, wenn ich ein Buch das erste Mal in Händen halte. Die Nachricht, wenn ein Buch in die nächste Auflage geht ...

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Das Warten auf was auch immer zerrt an den Nerven, da bin ich manchmal in einer richtigen Wartestarre. Im Grunde warte ich seit ich veröffentliche. Irgendwas hängt immer in der Warteschleife. Da kann frau schon mal graue Haare kriegen (könnte aber auch am Alter liegen).

Verlage von Ideen überzeugen ist schwierig. Da muss alles passen, auch die beste Idee wird nicht angenommen, wenn sie zum falschen Zeitpunkt kommt oder nicht ins Programm passt.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Absolut. Ich habe natürlich immer einen Plot, weiß, wo die Geschichte startet und wo sie hin soll. Auch Zwischenstationen plotte ich. Aber ich lasse genug Luft, damit meine Figuren sich entwickeln können und auch mal ein Tänzchen außer der Reihe starten dürfen.

Clarissa und Stimmchen hüpfen mir manchmal auf der Nase rum, aber sie machen mir dabei unglaublich Spaß, deshalb bin ich ihnen nicht böse.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Theoretisch sage ich: Ein Buch ist Geschmackssache. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn jemand mein Buch nicht mag. Das ist wie in der Liebe. Auch Menschen die ich persönlich vielleicht nicht sonderlich mag, haben sicher jemanden, der sie von Herzen liebt.

Praktisch klappt das mit der Gleichmut nicht immer. Da kann es schon passieren, dass mich Kritik schmerzhaft trifft. Aber ich arbeite an meiner Seelenhornhaut.

Liebe Susanne, ich danke dir dafür, dass du dir die Zeit für unseren Brunch genommen hast und wünsche dir weiterhin viele Musenküsse und Erfolg mit deinen Büchern.

Liebe Doro, vielen Dank für die Einladung. Es war uns ein Vergnügen! Sanne Boll, Sanne Aswald, Ina Janke und ich wünschen dir alles Liebe und viel Lebensfreude.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen