Sonntag, 5. Juni 2016

Ideenklau gibt es nicht


Am Samstag war ich mit einer Kollegin auf der Autorenmesse in Frankfurt. Im Prinzip gab es für mich dort wenig Neues, allerdings der Vortrag von Dr. Achim Zimmermann aus Hannover war nicht nur wegen seines Unterhaltungswertes lohnend. Ich habe einen klitzekleinen Einblick ins Urheberrecht erhalten, den ich so vorher nicht hatte. Eine Sache fand ich besonders bemerkenswert (wenn auch eigentlich ziemlich logisch, wenn man darüber nachdenkt), es gibt keine Möglichkeit gegen "Ideenklau" vorzugehen, denn den gibt es nicht. Ideen sind nicht durch das Urheberrecht geschützt. 
Ich versuche es mal, mit meinem Laienverstand wiederzugeben. Ich hoffe, das ist alles so korrekt. Im Zweifelsfalle noch einmal einen Fachmann fragen. 

Also, wir sprechen jetzt nicht über Erfindungen, die kann man patentieren lassen. Wir sprechen auf einer Seite über das Schreiben natürlich über eine Idee für ein Buch. Der reine Gedanke: "Ich könnte ja mal etwas über eine Zauberer-Schule schreiben und einen kleinen Jungen, der plötzlich erfährt, dass er eigentlich ein Zauberer ist und seine Eltern von einem bösen Magier getötet wurden" ist noch nicht geschützt. Es ist ja durchaus auch möglich, dass jemand unabhängig von mir auf diesen Gedanken kommt. Geschützt ist nur das Werk. Also die Harry Potter-Bücher sind als Sprachwerke natürlich urheberrechtlich geschützt. Die darf keiner einfach verfielfältigen oder mit seinem Namen versehen und verkaufen. Auch der Titel ist eingetragen und geschützt. 

Geschützt sind also immer nur "Werke". Jetzt ist natürlich die Frage, wo hört die Idee auf und fängt das "Werk" an? 
Ein Werk muss von einer natürlichen Person stammen (also einem echten Menschen) - soweit mal klar und verständlich. Ein Werk beinhaltet immer einen "Schöpfungsakt". Also, ich muss dafür irgendwas "gemacht" haben. Eine Badewanne kaufen ist also noch kein Schöpfungsakt. Sie mit Heftpflaster und Mullbinden zu bekleben, kann dann schon wieder als Schöpfungsakt gelten, der die Badewanne zu einem Kunstwerk und somit zu einem Gegenstand des Urheberrechts macht. Wenn dann zwei Mitglieder eines SPD-Ortsvereins auf die Idee kommen, das Ding bei einer Feier sauberzumachen und zum Geschirrspülen zu verwenden, kann das also Ärger geben. So geschehen mit einem Kunstwerk von Beuys. Fotografieren dürfte ich die Badewanne dann auch nur mit seinem Einverständnis. 
So und jetzt wird es so richtig schön deutsch und juristisch. Das Werk hat "Schöpfungshöhe".  Was genau das bedeutet, ist pauschal schwer zu sagen und muss im Einzelfall beurteilt werden. Ich würde es als Laie mit "Originalität und Individualität" beschreiben. Es muss also so einzigartig und innovativ sein, dass es erkennbar das Werk eines ("genialen") Schöpfungsgeistes ist und nicht ein Gedanke oder eine Idee, wie sie tausend andere zufällig auch noch völlig unabhängig hätten haben können. 

Insofern ist es theoretisch möglich, dass ein Verlag, dem man sein Exposé schickt, die Idee nimmt und sie an einen seiner Hausautoren weitergibt. Man könnte sehr schwer nachweisen, dass die Idee geklaut wurde (außer sie ist so einzigartig und neu, dass es einem gelingt, das Gericht zu überzeugen UND man hat dann auch noch einen Beweis - einen notariellen - dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt VOR dem Einreichen diese Idee bereits ausgearbeitet hat). Das heißt, theoretisch könnte ich mich absichern, indem ich jede Idee vorher beim Notar hinterlege. Das kostet aber: mich Geld und den Notar Nerven. Eher nicht so praktikabel, außer man hat wirklich so etwas Bombastisches, dass man meint, es lohnt sich. Im Prinzip könnte also jeder meine Idee einfach klauen.

Ein großer und seriöser Verlag wird das allerdings eher nicht tun, da es enorm rufschädigend wäre, in häufige Urheberrechtsverfahren verwickelt zu werden. 

Möglich ist es dann noch, den Titel und auch eine Wortmarke zu schützen. Wenn ich eine bestimmte Theorie, ein Verfahren oder sonst etwas erfunden habe, kann ich das als Wortmarke schützen lassen (zum Beispiel "Mind-Mapping"). Das, was Mind-Mapping bezeichnet, lässt sich aber nicht schützen. Wenn ich einen Kreis auf ein Papier zeichne, Striche dranmale und Begriffe drumherum gruppiere, kann ich es auch einfach "Word-Web" oder sonstwie nennen, dann hab ich kein Problem. Die Idee an sich ist also nicht geschützt. 

Wenn ich jetzt aber ein bestehendes Werk einfach eins zu eins kopiere und nur die Namen der Figuren ändere und es ein bisschen umformuliere, bleibt es ein Plagiat. Das betrifft schließlich das Werk. Wenn ich aber nur die Grundidee nehme und etwas eigenes daraus mache - da wird es schwer, nachzuweisen, dass die Idee geklaut ist. Fazit: man darf das ursprüngliche Werk nicht mehr erkennen. 

Mein persönliches Fazit: nicht mit Ideen hausieren gehen, außer man vertraut den Menschen, denen man sie mitteilt. Immer erst ein Exposé und Probekapitel einreichen und möglichst erst nach Vertragsabschluss das Gesamtmanuskript (außer man vertraut dem Verlag wirklich). Außerdem ist Urheberrecht echt kompliziert. Puh!

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