Freitag, 20. Dezember 2013

DIY - Mach es selbst! Ein paar Gedanken zum Self-Publishing...





Mit dem E-Book haben sich ganz neue Möglichkeiten für das Self-Publishing entwickelt. Man ist nicht auf mehr oder weniger windige Zuschuss-Verlage und/oder Modelle wie BooksOnDemand angewiesen, wenn man keinen Verlag findet oder wenn man sich von keinem Verlag abhängig machen möchte. 

Persönlich bin ich noch sehr gespalten, was diese Möglichkeiten des Publizierens angeht. Sind die Verlage tatsächlich so überflüssig geworden? Klar, es gibt Beispiele, in denen Self-Publisher sehr erfolgreich waren. Gerade habe ich die (bisher) fünfbändige Sumpfloch-Saga von Halo Summer  beendet, die die Autorin über Amazon CreateSpace veröffentlicht hat. Die Bücher sind nicht schlecht und steigern sich. Während Band 1 mich noch nicht besonders überzeugen konnte, wurde es ab Band 2 stetig besser. Unterhaltsam waren die Bücher allemal. Dennoch denke ich, dass ihnen ein professionelles Lektorat gut getan hätte. Natürlich weiß ich nicht, ob die Autorin vielleicht sogar jemanden hatte, der es lektoriert hat, aber vom Gefühl her würde ich das eher nicht annehmen. Zum Teil fehlte mir ein wenig der rote Faden und es kamen mir zu häufig Begriffe vor, die stilistisch nicht passten. Zum Beispiel wird ein Kampfgeschehen in einer Fantasy-Welt beschrieben und in dem Zusammenhang verwendet die Autorin häufiger das Verb "ballern". Das empfand ich als störend. Rechtschreib-, Tipp- und Grammatikfehler sind mir auch noch aufgefallen. Nicht massig, aber hier und da. Meistens Dinge, die umgangssprachlich vielfach falsch gemacht werden. Zum Beispiel "sagte er Herr Winter gute Nacht" (statt "Herrn Winter"). Alles nicht weiter schlimm und ich finde solche Fehler auch oft genug in Büchern, die durch einen Verlag publiziert wurden. Dennoch glaube ich, die Bücher hätten durch ein wirklich sorgfältiges und gutes Lektorat gewinnen können. 

Self-Publishing verspricht gute Gewinne für den Autor. Bei Amazon gibt es 70% des Nettoerlöses. Im Vergleich dazu gibt es bei einem Verlag für ein E-Book 25-50%. Dafür bekommt man aber Lektorat, Covergestaltung und Marketing. Das ist nicht zu unterschätzen, denn bei rund hunderttausend Neuerscheinungen im Jahr allein in Deutschland, kann auch ein wirklich gutes Buch einfach unbemerkt in der Masse untergehen. Die Zahl der Neuerscheinungen wird durch Self-Publishing ja eher noch steigen. Wie will man da auffallen? Wer designt mir ein Cover? Ist ja nicht so, als hätten wir alle professionelle Grafik-Designer im Freundeskreis. Wenn man dann diese Dienstleistungen einkauft, ist man schnell wieder beim alten Zuschussverlag-Modell. 

Aus Sicht der Autoren ist es also schon mal ein zweischneidiges Schwert. Man kann einen unerwarteten Hit landen und dann wirklich Profit machen. Man kann aber auch irgendwo in den Tiefen des Cyberspace herumdümpeln und hat eventuell auch noch viel Geld für Werbung, Covergestaltung und so weiter ausgegeben. Ich denke, Self-Publishing macht für Nischenprodukte mit einer sehr konkreten Zielgruppe Sinn. Ebenso für Leute, die eventuell auf FanFiction-Seiten oder in Schreibcommunities schon eine Fangemeinde gewonnen haben. 

Darüber hinaus haftet dem Self-Publishing auch immer der Dünkel an, dass die eigenen Werke eben einfach zu schlecht waren und sich deswegen kein Verlag dafür gefunden hat. Das muss natürlich überhaupt nicht der Fall sein. Einen Verlag zu finden, ist schwierig und braucht neben Talent auch eine Menge Glück. Viele erfolgreiche Autoren mussten etliche Absagen einstecken, bevor sie veröffentlicht wurden. Dennoch würde ich persönlich die Veröffentlichung durch einen Verlag vorziehen.


Aus Sicht des Lesers ist es natürlich schön, wenn man zu einem günstigen Preis das ein oder andere Juwel entdecken kann. Doch bei der Masse wird es dann wieder übersichtlich. Nicht jedes Buch, das durch einen Verlag publiziert wurde, ist zwangsläufig gut. Bei einigen - auch bei sehr erfolgreichen Büchern - fällt mich auch das kalte Grausen an und ich frage mich, was das Lektorat eigentlich gemacht hat. Dennoch trifft ein Verlag ja eine gewisse Vorauswahl, die auf Qualität hoffen lässt. Da haben zumindest im Idealfall Profis dran gearbeitet und das Werk für gut und veröffentlichungswürdig befunden. Bei einem Self-Publishing-Buch kaufe ich doch eher noch die Katze im Sack.

Einen Schritt weiter geht Egmont/Lyx mit Storyboard, einer Plattform, die Leser und Autor zusammenbringen will. Man lädt seine Texte hoch, die Leser entscheiden, was ihnen gefällt. Am Ende braucht der Verlag nur noch den Rahm abzuschöpfen, denn die beliebtesten bekommen eine Veröffentlichung. Da frage ich mich allerdings - was geschieht mit denen, die ihre Texte auf Storyboard veröffentlicht haben, aber nicht ganz so gut ankamen? Die haben ihre Ideen, Arbeit und Mühe völlig unentgeltlich verballert und können sie keinem anderen Verlag mehr anbieten. Das sehe ich also eher kritisch. Es ist ohnehin schon schwer bis unmöglich vom Schreiben zu leben. Sind solche Modelle nicht einfach nur eine Art "Lohn-Dumping"? In der Hoffnung auf Entdeckung liefern viele junge Talente ihre Arbeit vollkommen umsonst ab. Und nur den wenigsten dient dieser Schritt dann wirklich als Sprungbrett. Was nicht bedeuten muss, dass es immer die talentiertesten und besten schaffen, das wäre ja dann so eine Art kreativer Darwinismus. Es werden diejenigen sein, die am besten vernetzt sind. 

Ich fürchte einfach, dass der Anspruch, Qualität zu produzieren von dem Druck hohe Verkaufszahlen zu generieren und Gewinne einzufahren immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Es werden lieber teure ausländische Lizenzen gekauft als deutsche Autoren aufgebaut, weil die einfach der "safe bet" sind. Sie haben schließlich schon gezeigt, dass sie sich verkaufen. Es ist ein hart umkämpfter und sehr unübersichtlicher Markt geworden - vermutlich trifft das auf alle Märkte zu. Und ich weiß nicht so recht, was ich von den neuen Trends halten soll. Ich habe ein wenig die Befürchtung, dass sich eine Art literarische Fast Food-Kultur entwickelt und vieles verramscht wird. Mit der heißen Nadel gestrickt, für den schnellen Konsum. Sprachlich ist das Zielgruppenpublikum ja oft auch nicht besonders anspruchsvoll. Einige sehr erfolgreiche Bücher fand ich extrem platt, klischeeüberfrachtet und dann auch noch sprachlich schlecht. Aber sie verkaufen sich wie blöde und das zählt. Dabei frage ich mich dann aber, ob Verlage nicht auch so etwas wie einen Bildungsauftrag haben. 

Man wird wohl nur abwarten können, was sich tut und ich hoffe, dass es da auch irgendwann eine Trendwende geben wird. Ob das moderne Self-Publishing sich dann als Fluch oder Segen herausstellt - wer weiß?

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Grenzerfahrung, Schreiben am Limit: der NaNoWriMo



Dieses Jahr habe ich endlich mal am National Novel Writing Month (kurz NaNoWriMo) teilgenommen. Das ist ein Projekt, bei dem es jeden November darum geht, in 30 Tagen ein Buch zu schreiben und zwar von 50.000 Wörtern Länge (oder mehr). Hier möchte ich gern ein paar Eindrücke und Erfahrungen festhalten.

Eins vorab: ich habe es geschafft! Ich habe 50.000 Wörter in 30 Tagen zu Papier gebracht. Ich darf mich also stolz NaNoWriMo Winner 2013 nennen. 

Die erste Frage, die die meisten haben, wenn sie das hören ist: wozu soll das gut sein? Geht es etwa nur um Masse, nicht um Klasse? Die Antwort ist ein klares Jein. 

Einen Roman schreiben - das hört sich für viele erst einmal nach jahrelanger Arbeit in einem verstaubten Autorenkabuff an. Ein Roman mit 50.000 Wörtern - das sind etwa 210 Manuskriptseiten - ist noch nicht einmal besonders dick. Zum Vergleich: J.K. Rowlings Harry Potter und die Heiligtümer des Todes hat zum Beispiel 736 Seiten - das dreieinhalbfache vom NaNoWriMo-Pensum, also schätzungsweise um die 175.000 Wörter. Das scheint erst einmal eine kaum bewältigbare Aufgabe zu sein. Die Idee ist es also, sich Ziele zu setzen und zu zeigen, dass es gar nicht so eine Mammutaufgabe sein muss, einen Roman zu schreiben. Der NaNoWriMo soll einfach die Angst vor der "Königsdisziplin" des Schreibens, den Respekt vor der Langform nehmen. 

Aber ist es denn sinnvoll einfach ziel- und planlos 50.000 Wörter aufs Papier zu hauen? Meines Erachtens nur bedingt. Meiner Erfahrung nach gelingt es nur, die erforderliche Wortzahl zu schaffen, wenn man schon vorher recht genau weiß, wo das Ganze hin soll. Planung im Vorfeld ist also vonnöten. Ich habe vorher eine Inhaltszusammenfassung und Storylines für alle wichtigen Charaktere geschrieben und mir eine Excel-Tabelle erstellt, in der ich Szene für Szene die Handlung in je einem Satz zusammengefasst hatte. Dieses Mal hatte ich nicht allzu viel Vorbereitungszeit und habe es nur teilweise geschafft, so dass ich noch nacharbeiten musste. Wenn man aber alle wichtigen Vorarbeiten vorher abschließt, sind 1667 Wörter pro Tag oder auch mehr wirklich gut machbar. 

Das Problem ist, dass viele Menschen gute Ideen haben und diese zu Papier bringen wollen. Sie fangen einfach an und schreiben drauf los. So habe ich es auch gemacht. Irgendwann steckt man dann meistens fest und weiß nicht so recht weiter. Jedenfalls ging es mir bei meinen ersten beiden Romanen so. Ich habe tatsächlich Jahre gebraucht, um sie fertigzustellen. Ich steckte an irgendwelchen Dreh- und Angelpunkten im Plot fest, die nähere Überlegung gebraucht hätten und die man nicht mal so eben zwischen Tür und Angel hätte weiterschreiben können. Außerdem hat sich die Idee immer weiterentwickelt und der Anfang passte längst nicht mehr zu dem, was aus der Geschichte in der Zwischenzeit geworden war. Wenn dann noch der Alltag hinzukommt - Job, Kinder, Familie, Freunde, Krankheit, Haushalt etc. pp. - liegt der Roman schnell brach und man kommt nicht voran. Immer wenn ich mal Zeit hatte und mich hätte hinsetzen können, fehlte die Motivation, weil ich nicht so recht wusste, wie ich das Problem überwinden kann, auf das ich beim Schreiben gestoßen war.

Die Teilnahme am NaNoWriMo hat mir deutlich gezeigt, dass es viel effektiver und einfacher ist und man sich viel Stress erspart, wenn man vorab plant und plottet. Klar, das wirkt spießig und überhaupt nicht künstlerisch. Ist mir aber echt total wumpe! Es funktioniert. Und wer heilt, hat bekanntlich recht. Auf einige Plotlöcher und Motivationsprobleme, Logik- und Anschlussfehler bin ich schon vorab gestoßen, als ich die ausführlichen Storylines und Hintergründe für die jeweiligen Charaktere geschrieben habe. So konnte ich von vorn herein viele Probleme vermeiden. Ich wusste immer genau, an welcher Stelle im Text ich stehe. Trotzdem haben meine Charaktere hier und da noch ihren eigenen Kopf gehabt und plötzlich Dinge getan oder gesagt, die so nicht in meiner schönen, ordentlichen Excel-Tabelle standen. Kurzum: auch stringente und gute Planung lässt genug Raum für Kreativität und künstlerische Freiheit. Ich möchte sogar behaupten: gerade die Planung hält einem den Rücken frei für Extratouren. Man verliert trotzdem nicht so schnell die Orientierung und den roten Faden der Geschichte. 

Mein NaNo-Roman ist ein Jugendbuch für Mädchen ab 12 und eher leichte Muse. Ich konnte es tatsächlich nach zwei bis drei Tagen Vorüberlegung und Planung einfach so runterschreiben. Mit komplexeren Themen und Werken wird es sicher nicht ganz so leicht. 

In diesem Monat war mein Mann an zwei Wochenenden unterwegs, so dass ich die Kinder allein zu Hause hatte, der Große war krank und konnte zwischendrin nicht in den Kindergarten gehen. Ich war ebenfalls gesundheitlich angeschlagen und hatte mit Taubheitsgefühl und Schmerzen in der rechten Hand zu kämpfen. Außerdem habe ich eine acht Monate alte Tochter und schlafe daher natürlich nachts eher selten durch. Es war also noch ein Monat mit allerlei Schikanen. Trotzdem habe ich mein Pensum geschafft. Ich denke, eine Deadline im Nacken bewirkt schon einiges. Man hat den Ehrgeiz, es zu schaffen und setzt sich eher noch einmal dran, als wenn man sich vage Ziele steckt. Die Ziele müssen ja nicht immer so hoch sein. Aktuell ist mein Ziel 5000 Zeichen am Tag zu schaffen. Das ist nicht ganz die Hälfte vom NaNo-Pensum. Und nicht jeden Tag schaffe ich es. Aber es hilft trotzdem dabei, mich zu motivieren. 

Wie geht es denn dann weiter? Geht es wirklich nur um die Wortzahl? Ganz klar: nein. Die 50.000 Wörter-Schallgrenze will aber erst einmal geknackt werden, um einen Text zu haben, mit dem man arbeiten kann. Man kann weiterschreiben, man muss und kann lektorieren, editieren, überarbeiten, umschreiben, neu arrangieren. Aber wichtig ist, dass man erst einmal Material hat, mit dem man arbeiten kann. Früher habe ich auch immer den "Fehler" gemacht, während des Schreibens schon zu überarbeiten. Dabei verzettelt man sich schnell und bleibt ewig auf den selben dreißig Seiten hängen. Die zielführendere Strategie ist tatsächlich erst einmal ohne Rücksicht auf Verluste zu schreiben und erst dann ans Überarbeiten zu gehen. Das hat bei mir jetzt wunderbar funktioniert und ich bin wirklich erstaunt, dass etwas dabei herausgekommen ist, das ich ohne schlechtes Gewissen einem Verlag anbieten kann. Ob ich das Glück habe, dass es tatsächlich veröffentlicht wird - wir werden sehen. Aber das fertige Buch wirkt nicht so, als habe ich es "mal so eben" in einem Monat aufs Papier "gerotzt". Eher im Gegenteil. Wenn ich es mit meinen ersten zwei Romanen vergleiche, für die ich wie gesagt Jahre gebraucht habe, wirkt es kompakter, stringenter und hat mehr Textkohärenz und -kohäsion - will meinen: sowohl inhaltlich ist es logischer, zusammenhängender und einheitlicher als auch stilistisch. Das liegt daran, dass keine längeren Schreibpausen zwischen einzelnen Textteilen lagen. 

Mein Fazit: Der NaNoWriMo war eine super Sache und eine gute Erfahrung. Nicht jedes Buch muss in 30 Tagen geschrieben werden, aber drei wesentliche Erkenntnisse sind für mich geblieben: 

1. Erst planen und vorbereiten! Eine gute Planung und sorgfältiges Plotten und Ausarbeiten der Ideen erspart eine Menge Zeit und Ärger.

2. Erst schreiben, dann überarbeiten! Es ist wichtiger, überhaupt erst einmal "abzuheben" und das Ding fertigzustellen. Um die B-Note kann man sich auch später noch kümmern. 

3. Ein Roman ist kein Käse! Ein Roman muss nicht erst Jahre reifen, damit daraus eine runde Sache wird. Wenn man gut geplant und geplottet und genug Zeit mit Vorüberlegungen verbracht hat, kann man ihn in wenigen Monaten einfach runterschreiben und hat dann sogar noch Zeit, in Ruhe und vielleicht mit etwas Abstand zum Text, zu überarbeiten.  

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Ein Monat - ein Roman

...das jedenfalls ist die Idee hinter NaNoWriMo, dem National Novel Writing Month. Ein ganzer Roman wird es bei mir allerdings nicht werden. Durchwachte Nächte, ein quäkendes Baby, das gerade anfängt zu krabbeln und ein quengelndes Kleinkind sind wohl nicht die besten Voraussetzungen, um ein Buch in einem Monat zu schreiben. 

Trotzdem habe ich mir vorgenommen, im November mitzumachen und zu versuchen, meinen Chick-Lit Roman in diesem Monat fertig zu schreiben. Es sind schon 84 Seiten geschrieben, 250-300 sollen es werden. Ich hoffe, es ist machbar. Und wenn nicht, komme ich hoffentlich wenigstens ein gutes Stück voran.